Kontingenz: Es kann immer auch ganz anders sein!

Ist sie alt oder jung?

Alles was so wie es ist, war, sein wird oder sein kann, ist immer auch anders denkbar und möglich. Das behauptet der Soziologe Niklas Luhmann (1927 – 1998). Im Bild links haben wir „nur“ zwei Möglichkeiten: Wir sehen entweder eine junge oder eine alte Frau. (Übrigens: Wir sehen niemals beide gleichzeitig; unser Hirn muss umschalten.)

Für die Behauptung Luhmanns gibt es den Begriff der Kontingenz. Kontingenz bedeutet Ungewissheit und Unberechenbarkeit, die Abwesenheit von Wahrheit … Wir müssen unterschiedliche Wahrnehmungen der Wirklichkeit akzeptieren.

Die Qual der Wahl.

Früher war mehr Berechenbarkeit, meinen viele. Vielleicht liegen sie damit gar nicht mal so falsch. Denn wir haben heute mehr Wahlmöglichkeiten und Handlungsoptionen, damit werden Kontingenzerfahrungen wahrscheinlicher. Die Auswahl am Joghurtregal und bei Zeitschriften zu einem speziellen Thema ist dabei noch vergleichsweise harmlos, die Kontingenzbeobachtungen in Politik und Gesellschaft machen uns dagegen Sorgen. Manche sehnen sich nach der schwarzweißen Zeit des Kalten Krieges zurück, weil Freund noch Freund war und Feind noch Feind. Denken sie. Sie möchten ihr Handeln dem Heuristik-Prinzip überlassen und das bewusste Denken an eine „starke Hand“ delegieren.

Unternehmen müssen den Spagat schaffen: Wahlmöglichkeiten als Chancen wahrnehmen und unterschiedliche Perspektiven willkommen heißen … und gleichzeitig nach innen einen gefühlten Schutz gegen Zweifel und gegen Angst anbieten, ohne populistisch-platte Täuschung zu betreiben.

Antworten auf Kontingenz

Kontingenz passiert, wir können sie nicht verhindern. Luhmann warnt davor, auf Versprechen der Kontingenzunterdrückung hereinzufallen. Religionen, Kommunisten und Faschisten haben das versucht und teils viel Schaden angerichtet, heutige Heilsversprecher sind auf einem ähnlichen Amok-Trip.

Luhmanns Vorschlag lautet: Durch Beobachtung des Anderen sowie durch Versuch und Irrtum entstehen im Lauf der Zeit emergente Ordnungen, wie etwa auch unsere sozialen Systeme.

Die Martial Arts mit WingTsun verfahren genau nach diesem trial-and-error-Prinzip, sie kennen die tastende und die schlagende Hand. Damit wird die menschliche Bewusstseins-Körper-Einheit zu einem emergenten System, das sich in kritischen Situationen erfolgreich bewähren kann.